Benjamin Dahlke, One Nation under God. Der US-Katholizismus und die Politik, Herder Verlag Freiburg/Br. 2026, 283 S., € 25,–.
Rechtzeitig zum 250-Jahr-Jubiläum der US-amerikanischen Verfassung legt B. Dahlke, Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Kath. Universität Eichstätt, dieses Buch vor. Der Autor, aufgrund seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit vor Ort (Boston, Princeton, Notre Dame) persönlich erfahren in der US-amerikanischen Theologie, möchte „orientierendes Wissen vor einem breiteren historischen Hintergrund“ (7) zur Verfügung stellen. Im Gegensatz zur Rezeption der engen Verbindung der Evangelikalen (die zum einen strenge Bibelauslegung pflegen und zum anderen die persönliche Beziehung zu Jesus Christus betonen) v. a. zur Republikanischen Partei, ist das komplexe Verhältnis des Katholizismus zur Politik in den USA wenig untersucht.
Das Buch setzt sich in mehreren Abschnitten mit dieser Tradition auseinander. Die Katholiken standen noch im ausgehenden 19. Jahrhundert am Rand der US-amerikanischen Gesellschaft und wurden teilweise offensiv marginalisiert. Sie rückten erst etappenweise ins Zentrum der Macht. Heute sind gut 20 % der Bewohner katholisch und sie sind im Senat und Repräsentantenhaus mit ca. 30 % Vertreterinnen und Vertreter überdurchschnittlich repräsentiert. Dieser Wandel hat viel zu tun mit den vielen Einwanderern aus Lateinamerika, etwas pauschalierend latinos oder auch hispanics genannt. Hinsichtlich des – von Dahlke ausführlich beschriebenen Zweiparteiensystems – zeigt sich eine Abwanderung der Katholiken von den Demokraten zu den Republikanern. Trumps Ankündigung, konsequent gegen illegale Einwanderung vorzugehen, wirkte bei den Immigranten selbst keineswegs abschreckend, sondern findet bislang bei vielen legal ins Land gekommenen Latinos durchaus Unterstützung.
Einen wichtigen Aspekt bildet das Verhältnis von Staat und Kirche, das vom Autor als ein „komplexer Aushandlungsprozess“ (103) verstanden wird. Immerhin sah die Verfassung des Staates New York von 1777 grundsätzliche Religionsfreiheit vor, solange die öffentliche Ordnung nicht gefährdet würde. Es sollte in der nach Unabhängigkeit strebenden Nation möglich sein, den eigenen Glauben frei und ohne Einschränkungen zu praktizieren. Der Erste Zusatzartikel zur Verfassung der neugegründeten Vereinigten Staaten (1791) formulierte explizit wichtige Grundrechte, u. a. die Religionsfreiheit ein. Zum einen wurde dem Kongress untersagt, Gesetze zu erlassen, die eine bestimmte Religion privilegierte. Damit war klar, dass es keine staatskirchlichen Strukturen mehr geben konnte. Allerdings bedeutet die Trennung von Staat und Kirche, wie sie die sogenannte non establishment clause vorsieht, keine Trennung von Religion und Politik. Die Vereinigten Staaten waren nie laizistisch und sie sind es auch heute nicht. Schließlich garantiert die Verfassung mit ihrer free exercise clause zugleich die freie Religionsausübung. Glaubenspraxis ist also nicht nur zu akzeptieren, sondern auch zu gewährleisten, ohne dabei irgendwem den Vorzug zu geben.
Dahlke setzt sich ausführlich mit den Themen Flucht und Migration auseinander, die zu tun haben mit der bestehenden Aussicht auf Freiheit und Wohlstand. Dies gilt über die Jahrhunderte hinweg. Vor allem für Nichtchristen ist es allerdings in den letzten Jahrzehnten schwieriger geworden, in die US-amerikanische Gesellschaft integriert zu werden. Auch die Situation der African Americans wird vom Autor nach wie vor als „prekär“ (151) bezeichnet und skizziert. Nicht zuletzt aufgrund der Aussagen von Papst Pius XII., dass Kirche offen sein müsse für alle Bevölkerungsgruppen, zeigte sich der Katholizismus gegenüber der nach dem II. Weltkrieg einsetzenden Bürgerrechtsbewegung zugeneigt. Rom setzte 1965 erstmals einen African American zum Weihbischof in New Orleans ein. Dahlke verweist auf zwei Schreiben der US-amerikanischen Bischofskonferenz zum Rassismus (1979 und 2018), die u. a. auch selbstkritisch zum amerikanischen Katholizismus Stellung beziehen.
Der Autor beschließt sein Buch mit einem Ausblick auf die kommenden Präsidentenwahl 2028, zu der er Katholiken nicht auffordert, eine bestimmte Partei oder Gruppierung zu wählen, sondern vielmehr vorschlägt, Verantwortung zu übernehmen an den Orten, an denen sie sich befinden.
Das Buch von B. Dahlke ist eine sehr informative Darstellung des US-amerikanischen Katholizismus und seiner bewegten Geschichte in der Gesellschaft. Zu erwähnen ist dabei die hohe Differenziertheit, die der Autor bei der Bearbeitung seines Anliegens an den Tag legt. Mit der Lektüre des Buches wird die Leserschaft einen guten Zugang zur aktuellen Situation bekommen.