Editorial

Das 250-Jahr-Jubiläum der Unabhängigkeitserklärung der nordamerikanischen Kolonien, das am 4. Juli 2026 gefeiert wurde, ist nicht nur historisch, sondern auch aktuell relevant. Dies gilt sowohl für den sozialpolitischen als auch den kirchlich-theologischen Bereich. Dies stellt den spezifischen Akzent dieser Ausgabe von „Wort und Antwort“ dar.

Der Zeitgeschichtler Philipp Gassert (Universität Mannheim) skizziert in der Rubrik „Stichwort“ das Neue am Horizont der Weltgeschichte und macht deutlich, dass die so genannte Amerikanische Revolution eine von oben war und von Großgrundbesitzern, Kaufleuten und Advokaten realisiert wurde. Die „Freiheit“ wurde zum bestimmenden Thema. Wolfgang Heuer (Freie Universitä Berlin) geht darauf im Blick auf die Denkerin Hannah Arendt ein, die in ihren Studien die Amerikanische mit der Französischen Revolution in Beziehung gesetzt hatte. Während die französische Variante eines metaphysisch interpretierten Volkswillens („volonté générale) politisch eher im Diffusen verblieb, entwickelte die amerikanische Variante von Anfang an institutionelle Sicherungen, die die Entstehung eines politischen Raums und seiner Verfassung ermöglichte. Das ideelle Erbe der Amerikanischen Revolution greift Michael Hochgeschwender (LMU München) auf. Seines Zeichens Professor für Nordamerikanische Kulturgeschichte und Kulturanthropologie spezifiziert er die die rechtsphilosophische Argumentation des Unabhängigkeitsstrebens, das stark naturrechtlich geprägt war.

Der Dogmatiker Benjamin Dahlke (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) stellt eine Beziehung her zwischen der Unabhängigkeitserklärung und dem US-Katholizismus. Für ihn ist evident, dass die bis dahin marginalisierte katholische Kirche von der postulierten Möglichkeit der freien Selbstentfaltung profitierte. Die Licht- und Schattenseiten des Ringens der Katholischen Kirche und ihrer Theologie mit Liberalismus und Pluralismus werden seitens des Fundamentaltheologen Thomas Schärtl (LMU München) untersucht. Hier stehen Namen wie der umstrittene Bischof Robert Barron und seine Evangelisierungsmission „Word on Fire“ im Raum.

Als „Dominikanische Gestalt“ berichtet Brendan Curran OP (Chicago) aus eigener Erfahrung vom Ideal und der ernüchternden Wirklichkeit der US-amerikanischen Einwanderungspolitik, wie sie gegenwärtig praktiziert wird. Laurentius Höhn OP (Braunschweig) setzt sich mit dieser Ambivalenz von Ideal und Wirklichkeit anhand des 1960 erschienen Romans „Wer die Nachtigall stört“ der US-amerikanischen Autorin Harper Lee auseinander.

Die Redaktion gratuliert den Bürgerinnen und Bürgern der USA zu ihrem 250-Jahr-Jubiläum!

Thomas Eggensperger OP / Frano Prcela OP