Erzbruderschaft zur Schmerzhaften Muttergottes beim Campo Santo der Deutschen und Flamen (Hrsg.), Das Cranach-Triegel-Marien-Retabel aus Naumburg im Campo Santo Teutonico in Rom, Verlag Schnell & Steiner Regensburg 2025, 64 S., € 7,95.

Seit dem 2. November 2025 befindet sich das Marienretabel aus der UNESCO-Welterbestätte Naumburger Dom in der Kirche auf dem Campo Santo Teutonico, direkt im Schatten des Petersdoms. Die Geschichte des Altaraufsatzes ist eine der künstlerisch-kreativen Schöpfung durch Lucas Cranach den Älteren (1472–1553), der Zerstörung der Mitteltafel im Zuge der Reformation, des Vermissens über viele Jahrhunderte hinweg, der künstlerisch-kreativen Neuschöpfung der Vorder- und Rückseite des zentralen Bildwerks samt Predella durch den Leipziger Maler Michael Triegel (*1968), und der konfliktiven Auseinandersetzung mit der UNESCO, die schlussendlich bestimmte, dass das großartige Kunstwerk seinen angestammten Platz auf dem mittelalterlichen steinernen Altartisch im Westchor des Naumburger Doms zu verlassen habe. Seit dem 4. Juli 2022 hat das Marien-Retabel einen neuen Ort gefunden. Vom protestantischen Dom in Mitteldeutschland wurde es in den Vatikan verfrachtet und darf dort nun für zwei Jahre jenseits aller Streitigkeiten Gast sein.

Das schmale Büchlein, herausgegeben von der in der römischen Kirche ansässigen Erzbruderschaft zur Schmerzhaften Muttergottes, versammelt kurze Texte und Grußworte, die in ökumenischer Offenheit einige Aspekte des Bildes selbst und des Ereignisses der gastlichen Aufnahme theologisch würdigen. Als Autoren fungieren der Camerlengo der Erzbruderschaft, Franco L. Reale, der Rektor derselben, Peter Klasvogt, der Dechant der Vereinigten Domstifter von Naumburg, Jörg Ulrich, der Stiftsdirektor von ebendort, Holger Kunde, sowie der Direktor des in den Gebäulichkeiten des Campo Santo Teutonico angesiedelten Römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Stephan Heid. Höchst interessant ist ein Gespräch der Vatikan-Journalistin Gudrun Sailer („Vatican News“) mit Michael Triegel, in dem sich der Künstler vehement gegen die heute mancherorts drohende Musealisierug von Kirchenräumen wendet. Stattdessen insistiert Triegel auf ihre genuine Verbindung künstlerischem Werk und Liturgie, da „Kunst und Kultus immer aus dem Kult“ (39) kamen.

40 farbige Abbildungen ergänzen das informative Büchlein, das in den kommenden zwei Jahren in keinem Koffer eines:r künstlerisch ambitionierten und ökumenisch aufgeschlossenen Rompilger:in fehlen sollte!

Ulrich Engel OP, Berlin

Vom Sichtbaren zum Unsichtbaren
Meisterklasse mit Michael Triegel

8.–10. Juli 2026 in Berlin

Der Leipziger Maler Michael Triegel (* 1968) wird 2026 die Meisterklasse am CTS Berlin leiten. Vorträge und Gesprächsformate, die gemeinsame Besichtigung seiner Arbeit „Deus absconditus“ (Der abwesende Gott) in St. Matthias in Berlin, die Sichtung eines neuen Films über die Schaffensweise des Künstlers und spiritualitätstheologische Deutungen seiner Kunst stehen auf dem Programm des dreitägigen Seminars.

Informationen und Anmeldung: https://www.cts-berlin.org/programm/akademische-meisterklassen/