Editorial
„For courage mounteth with occasion“
(William Shakespeare, King John, II,1)
Mut erwächst dort, wo Gelegenheit und Aufmerksamkeit zusammentreffen. Genau diesen Gedanken greift auch das Motto des diesjährigen Katholikentags auf, der vom 13. bis 17. Mai in Würzburg stattfindet: „Hab Mut, steh auf!“
Diese Ausgabe widmet sich dem Thema Mut aus philosophischer, theologischer und praktischer Perspektive. Christoph Bergmann OP (Düsseldorf) zeigt im Stichwort, dass Mut verantwortungsvolles Handeln trotz Unsicherheit ermöglicht und individuelle Standhaftigkeit mit ethischer Zielorientierung verbindet. Isabel Kraus (Frankfurt/M.) erinnert bibeltheologisch daran, dass Paulus Angst nicht als menschliche Schwäche, sondern als Raum begreift, in dem Gottes Kraft erfahrbar wird. Thomas Eggensperger OP (Berlin) greift Hannah Arendts Gedanken auf: Wahrhaftig zu sprechen, Risiken einzugehen und Konflikte auszuhalten, gehört untrennbar zum Mut, der Verantwortung und Freiheit im politischen und gesellschaftlichen Handeln wahrt. Stephanie Höllinger (Mainz) betrachtet Tapferkeit als ethisch-philosophische Tugend, deren Ausprägung von historischen und kulturellen Kontexten gezeichnet ist. Gregor Naumann OP (Vechta) betrachtet die Schule als Laboratorium für Mut: Lernende werden vom passiven Beobachtenden zu aktiven Teilnehmenden, übernehmen Verantwortung und entwickeln durch Planspiele politische Selbstwirksamkeit sowie Entscheidungsfreude. Johannes Graf zu Eltz (Frankfurt/M.) zeigt, dass mutige Aufbrüche in der Kirche nur gelingen, wenn kollektive Urteilsfähigkeit, Kompromissbereitschaft und gemeinsames Verständnis Hand in Hand gehen. Frano Prcela OP (Mainz) porträtiert die dominikanische Gestalt Rando Paršić OP, der unter politischen Repressalien Verschwiegenheit, Standhaftigkeit und Besonnenheit bewahrte. Simon Hacker OP (Leipzig) interpretiert in der Rubrik „Wiedergelesen“ die Predigt von Bruno Cadoré OP, die er 2016 anlässlich der Generalkongregation der Jesuiten hielt, als einen Appell an Glauben, Hoffnung und die Kraft, das Unwahrscheinliche zu wagen, und zeigt, wie existenzielle Glaubenszeugnisse einerseits Resilienz fördern und andererseits eine demütige Haltung gegenüber Gott einüben.
So zeichnet sich ein roter Faden ab: Mut, Standhaftigkeit und Hoffnung verbinden individuelle Haltung mit gesellschaftlicher Verantwortung. Sie sind nicht nur individuelle Tugenden, sondern ein praktisches und analytisches Instrumentarium, um wachsam, aufmerksam und wirksam in komplexen sozialen und politischen Zusammenhängen zu handeln.