Editorial
Die Präsenz von Kirche in den Städten ist ein aktuelles Thema und Ort lebhafter Debatten und Entwicklungen. Daneben wirkt der Diskurs über die Seelsorge auf dem Land eher nachrangig, fast schon vernachlässigt. Diese Ausgabe von „Wort und Antwort“ widmet sich dem Thema „Zwischen den Äckern und Altären. Christsein auf dem Land“.
Zunächst beschreiben Johannes Seibold und Stefan Bosch, Seelsorger und Geschäftsführer der „Katholischen Landvolkbewegung München und Freising“ die pastorale Situation, die nicht nur vom Ort allein, sondern auch von Menschen, die sich dort engagieren, geprägt ist. Ein Blick auf die Situation in Lateinamerika zeigt, dass dort zwar andere Probleme zu bewältigen sind, aber es dennoch interessante Lösungsmodelle gibt, wie zwei Dominikaner aus ihrer Alltagspraxis zu berichten wissen. So beschreibt José Jaime Pérez Lucio OP die rurale indigene Seelsorge im mexikanischen Chiapas, die er als „Gnadenereignis“ bezeichnet. Er sieht die Notwendigkeit einer Pastoral der Begleitung – nicht als Strategie, sondern als Ausdruck der Liebe Gottes. Christoph Gempp OP verdeutlicht am Beispiel der Bäuer:innenschule in guatemaltekischen Cahabon, an deren Gründung die Dominikaner beteiligt waren, wie Pastoral konkret werden kann. Die Schule dient der Förderung einer regenerativen Landwirtschaft.
Die raumorientierte Pastoral auf dem Land wird von Peter Scheuchenpflug (Religionsdidaktik, Universität Regensburg) beleuchtet. Auf der Grundlage des raumsoziologischen Konzepts von Martina Löw setzt der Autor diesen Ansatz theologisch um und betrachtet Raum als Zusammenkunft von Menschen im Namen Jesu, die sich in in dem von ihnen gestalteten Raum namens Gemeinde treffen. Martin Schneider (Sozialethik KU Eichstätt) skizziert die Bedeutung „sozialer Orte“ für den ländlichen Raum und verweist auf die Renaissance des Themas. So verweist er auf räumliche Gerechtigkeit bzw. Landschaftsgerechtigkeit. Eric Tilch (Mainz) untersucht den Umgang mit kirchlichen Immobilien in der Diözese Limburg angesichts veränderter Bedürfnisse und Notwendigkeiten in den ländlich geprägten Kirchengemeinden.
M. Scholastika Jurt OP zeigt am Beispiel der Gründerin der Dominikanerinnenkongregation vom Arenberg, Cherubine Willimann, wie sehr ihr Gründungsprojekt des 19. Jahrhunderts geprägt war von ihrer dörflichen und landwirtschaftlich ausgerichteten Herkunft. Die Rubrik „Wiedergelesen“ wird verantwortet von Sonja und Michael Rupp, die auf Saša Stanišić eingehen und mit seiner Erzählung „Vor dem Fest“ die Situation von Land beschreiben, in diesem Falle in einem fiktiven Dorf in der Uckermark.