Margareta Ebners mystische Schriften, Briefe, Offenbarungen und Meditationen, hrsg. von Frank-Daniel Schulten, Verlag Frank-Daniel Schulten Iserlohn 2023, 220 S., € 28,–.
Die bayerische Dominikanerin Margareta Ebner (* um 1291 – 1351) gilt als bedeutende mittelalterliche Mystikerin. Ihre Biographie bietet lebendige Einblicke in den Alltag des damaligen klösterlichen Lebens. In ihren Offenbarungsschriften schildert sie ihre Visionen und Erfahrungen der Vereinigung mit Gott. Weiterhin sind Meditationen und Betrachtungen, die sog. „Paternoster“, überliefert. Margaretas spiritueller Briefwechsel mit dem Weltpriester und Gottesfreund Heinrich von Nördlingen hat Geschichte geschrieben, gilt er doch als die älteste noch erhaltene Korrespondenz in deutscher Sprache.
Der im vorliegenden Buch publizierte Briefwechsel umfasst auch ein Schreiben aus der Feder von Johannes Tauler OP, das dieser um 1346 an die Priorin Elsbeth Schep[p]ach OP und an Margareta im Dominikanerinnenkonvent Medingen adressiert hat (209) – als Begleitschreiben für vier Käse (vgl. ebd.), die er den Nonnen dankbar zum Geschenk übersandte. Es ist übrigens das einzige schriftliche Zeugnis aus der Hand des Predigerbruders, das der Nachwelt überliefert ist (vgl. L. Gnädinger, Johannes Tauler. Lebenswelt und mystische Lehre, München 1993, 40).
Der von dem Psychologen und Verleger F.-D. Schulten (Iserlohn) verantwortete Band versammelt viele der genannten Texte und macht auf verdienstvolle Weise eine wichtige dominikanische Frauenbiographie auf ihren spiritualitätstheologischen Erfahrungsgrund hin transparent.