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Veronika Hoffmann, Glaubensverunsicherungen. Beobachtungen zum religiösen Zweifel, Matthias Grünewald Verlag Ostfildern 2024, 489 S., € 58,–.

V. Hoffmann, seit 2018 Professorin für Dogmatik an der Universität Fribourg (Schweiz), befasst sich in ihrer umfassenden Studie mit einem Thema, das in der Theologie lange Zeit vernachlässigt worden ist. Dazu rekonstruiert sie die theologischen Auseinandersetzungen mit dem Zweifel in den letzten einhundert Jahren, spürt Erfahrungen von Glaubensverunsicherung in biblischen Narrativen nach und fokussiert auf Anfechtungen im geistlichen Leben. Verschiedene empirische Studien zur spirituelle Verunsicherung erden ihre theologischen Reflexionen.

Für unseren Wort und Antwort-Themenschwerpunkt von Relevanz ist ein kurzer Abschnitt zur „getrenge“ (Bedrängnis) bei Johannes Tauler OP (226–231) – und das nicht nur allein deswegen, weil Martin Luther sich in seinen Überlegungen zur Anfechtung auf Taulers Topos der Bedrängnis bezog. Für den Dominikaner geht es um einen geistlichen Weg mit den Stufen getrenge, úbervart (Transitus) und jubilacio. Dieser kann faktisch in beiden Richtungen gegangen werden. Letzter Halt in der Bedrängnis ist die Kreuzesschau. Das bedeutet für Tauler Nachfolge (vgl. Predigten II, 493).

Deutlich wird in Hoffmanns Untersuchung insgesamt, dass religiöser Zweifel nicht erst ein „Kind der Neuzeit“ (249) ist. Vielmehr zeigt die Spiritualitätsgeschichte mehr als deutlich, wie geistliche Verunsicherung „als eine Dissonanz in der Selbsterzählung“ (26) immer schon notwendiger – weil nach neuer Kohärenz suchender – Bestandteil eines personal verantworteten Glaubens war. Mit ihrer Studie legt die Verfasserin einen höchst relevanten Beitrag zur Weiterentwicklung einer zeitgemäßen Spiritualitätstheologie vor.

Ulrich Engel OP, Berlin