Bücher
Paula Schütze, Ad negativum. Versuch einer nichtidentifizierenden Gottesrede (ratio fidei Bd. 88), Pustet Verlag Regensburg 2024, 215 S., € 38,–.
P. Schütze, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Katholische Theologie der Technischen Universität Dortmund, legt mit dem hier angezeigten Buch ihre an der Universität Tübingen eingereichte und für die Drucklegung geringfügig überarbeitete Dissertationsschrift vor. Ihr von Saskia Wendel begleiteter systematisch-theologischer „Versuch einer nicht identifizierenden Gottesrede“ – so der Untertitel – setzt sich zentral mit dem Denken des philosophischen „Anwalt des Nicht-Identischen“ (11) par excellence, Theodor W. Adorno (1903–1969), auseinander. Vor allen in seiner „Negativen Dialektik“ (1966) hat der Frankfurter Philosoph eindringlich dargelegt, wie ein identifizierendes Denken von Wahrheit das Konkrete mit all seinen Widersprüchen, Unwägbarkeiten und Überraschungen zugunsten eines Allgemeinen unterdrückt. Das bedeutet, dass mit Hilfe allgemeiner Begriffe Wahrheit letztlich nicht erkannt werden kann. Erkenntnistheoretisch betrachtet erfasst das denkende Subjekt mit Hilfe allgemeiner Begriffe letztlich nicht seinen Erkenntnisgegenstand, sondern nur sich selbst. Das ist Projektion.
Schütze gliedert ihre Untersuchung in drei Hauptteile. Im ersten (Kapitel 2) befasst sie sich mit der „Analogie zwischen Univozität und Äquivozität“ (17–69). Genauer bezeichnet sie das Verhältnis zwischen den beiden Größen als ein – hier tönt schon die Begrifflichkeit Adornos an – „negativ-dialektisches Verhältnis“ (32). Dieses kann beispielsweise Ausdruck finden in Bildern, denen nach Adorno aber immer auch das Bilderverbot eingeschrieben sein muss. Im mittleren Teil ihrer Arbeit (Kapitel 3) thematisiert Schütze den Begriff der „Metapher“ (71–157). Ein erster Untersuchungsdurchgang widmet sich den theologischen Entwürfen von Jürgen Werbick, Sallie Mac Fague und John Sanders. Sodann folgt eine philosophiegeschichtliche Vergewisserung, die sich an Aristoteles, Giambattista Vico, Johann Gottfried Herder, Paul Ricœur, Ernst Cassirer und Hans Blumenberg sowie im Bereich der Kognitionswissenschaft an Max Black, Georg Lakoff und Mark Johnson abarbeitet. Im letzten ihrer drei Hauptteile (Kapitel 4) stellt Schütze ihren eigenen „Versuch einer konstellativ-mimetischen Gottesrede“ (159–198) vor. Diese muss auf der einen Seite bestimmt genug bleiben, um etwas aussagen zu können, ohne dabei aber auf der anderen Seite begrifflich identifizierend zu verfahren oder bloß Leerformeln zu produzieren. Mich hat in diesem Zusammenhang der Rückgriff auf Adornos Konstellationsbegriff überzeugt. Mit diesem Kunstgriff hatte seinerzeit auch schon Christian Bauer OPL (Konstellative Pastoraltheologie, Stuttgart 2016) für die praktische Theologie ähnliches versucht – was ihm überzeugend gelungen ist. Für Schütze findet das nichtdefinitorisch-metaphorische Sprechen von Gott seine Form in Essay und Lyrik. Hier wäre es interessant, einige essayistische und lyrische Beispiele einer heute überzeugenden Gottesrede vorgestellt zu bekommen. Jenseits der „Korinthischen Brocken“ aus der Feder von Christian Lehnert (Berlin 2013), oder (etwas älter schon) der „Rhone Saga“ von Pierre Imhasly (Bern 1996) fallen mir nicht so viele Exempel ein. Dies schmälert aber keinesfalls den theoretischen Erkenntnisgewinn, den Schütze mit ihrer erfreulich kompakt gehaltenen Dissertationsschrift interessierten Leser*innen bietet.