On Revolution. | 250 Jahre unabhängig (3/2026)

Editorial

Eggensperger, Thomas | Prcela, Frano

Das 250-Jahr-Jubiläum der Unabhängigkeitserklärung der nordamerikanischen Kolonien, das am 4. Juli 2026 gefeiert wurde, ist nicht nur historisch, sondern auch aktuell relevant. Dies gilt sowohl für den sozialpolitischen als auch den kirchlich-theologischen Bereich. Dies stellt den spezifischen Akzent dieser Ausgabe von „Wort und Antwort“ dar.

Stichwort

Etwas Neues am Horizont der Weltgeschichte – der 4. Juli 1776

Gassert, Philipp

Als die 13 nordamerikanischen Kolonien sich am 4. Juli 1776 für unabhängig vom Britischen Reich erklärten, war für viele europäische Beobachter, sofern sie sich für das vermeintlich wilde Land an der Westseite des Atlantiks überhaupt interessierten, nicht ganz erkennbar, was da eigentlich passierte. Es waren die letzten Jahre des „alten Fritz“, von Maria Theresia und Katharina der Großen. Die hatten gerade Polen-Litauen unter sich aufgeteilt und waren mit ihren eigenen Problemen und Kriegen beschäftigt. 1776 ging an Europa zwar nicht vorbei, war aber Randirritation. Erst allmählich zeichnete sich ab, dass in Nordamerika nach damaligen Begriffen etwas „Unmögliches“ Gestalt angenommen hatte: „Der Pöbel, der Mob, ‚the rabble‘ hatte Amerika nicht ins Chaos gestürzt, sondern […] eine neue Welt geschaffen, in der nicht nur der Aristokrat, sondern der einfache Mann Souverän war.“

Hannah Arendts zwei Revolutionen

Heuer, Wolfgang

Zwei Monate nach der erfolgreichen Revolution auf Kuba lud die Universität von Princeton den kubanischen Premierminister Fidel Castro zu einem Vortrag ein. Das Thema lautete: „Die Vereinigten Staaten und der revolutionäre Geist“. Der Revolutionär kam und im Publikum saß auch Hannah Arendt. Castro erklärte, seine Revolution stehe der Amerikanischen näher als der Französischen oder Russischen und diese Begegnung mag Arendt darin beflügelt haben, ein Buch über die Amerikanische und Französische Revolution zu schreiben und die Gründe für deren gravierende Unterschiede herauszuarbeiten. Vier Jahre später erschien ihr Buch in den USA mit dem Titel „On Revolution“ und sechs Jahre später in Deutschland „Über die Revolution“. Die deutsche Ausgabe enthält mehr Verweise auf Marx und die soziale Frage als die amerikanische, worin die unterschiedlichen politischen Traditionen in beiden Ländern zum Ausdruck kommen. Im Folgenden sehen wir uns die Unterschiede zwischen der Revolution der Armut und derjenigen der Freiheit näher an und werfen anschließend einen Blick auf Arendts Kritik der Parteienherrschaft zugunsten einer Republik der Räte.

Gegen-Kulturen in den USA?

Schärtl, Thomas

Die amerikanische Bischofskonferenz galt als gespalten; Bischöfe, die einer sozusagen doktrinal unmissverständlichen Linie folgten, wie sie von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. vorgegeben schien, standen jenen Amtsinhabern gegenüber, die sich mit Papst Franziskus für eine Kirche aussprachen, die an die Ränder gehen sollte. Selbst die Wahlen zum Vorsitz der Bischofskonferenz galten als polarisiert.

Independence Day

Dahlke, Benjamin

Anders als im deutschsprachigen Raum gibt es in den USA kaum staatliche Feiertage. Zu den wenigen Tagen, an denen Behörden und Geschäfte landesweit geschlossen sind, zählt der sogenannte Independence Day. Er erinnert an den 4. Juli 1776, als Delegierte aus 13 Kolonien entlang der nordamerikanischen Atlantikküste in Philadelphia die Unabhängigkeit vom Königreich Großbritannien erklärten. Infolgedessen begann ein langwieriger, brutaler Krieg. Er endete mit der militärischen Niederlage der europäischen Großmacht. Danach galt es, für die neu entstandenen Vereinigten Staaten eine Verfassung auszuarbeiten und politische Strukturen zu schaffen. Für die Amerikanerinnen und Amerikaner wurde der Independence Day mit der Zeit zu einem wichtigen, ja geradezu identitätsstiftenden Gedenktag. Bereits in der frühen Republik wurde er vielerorts feierlich begangen – etwa mit Paraden, patriotischen Reden und einem heute beinahe obligatorischen Feuerwerk. Im Jahr 1870 wurde der 4. Juli schließlich zu einem unbezahlten Feiertag für Bundesangestellte; seit 1938 haben sämtliche Einwohner arbeitsfrei.

Revolutionäre Freiheit und demokratischer Rassismus

Hochgeschwender, Michael

Am 4. Juli 1776 billigte der Kontinentalkongress als oberste legislative und exekutive Institution der 13 aufständischen nordamerikanischen Festlandskolonien den Entwurf für die zwei Tage zuvor verfasste Declaration of Independence, die Unabhängigkeitserklärung der neuen Vereinigten Staaten von Amerika. Das brisante Schriftstück, das faktisch einer Kriegserklärung an das Mutterland Großbritannien gleichkam, war offiziell das Produkt einer dreiköpfigen Kommission, bestehend aus Thomas Jefferson, einem radikalen Großgrundbesitzer aus Virginia, John Adams, einem moderaten Juristen aus Boston in Massachusetts, dem Ausgangsort der Revolution und Benjamin Franklin, einem Publizisten und im gesamten nordatlantischen Raum bekannten und bestens vernetzten Intellektuellen, der lange für seine Heimatkolonie Pennsylvania als Koloniallobbyist in London verbracht hatte. Eigentlicher Autor aber war Jefferson, der jüngste der drei, obwohl ihn mit Adams eine langjährige Intimfeindschaft verband.

Dominikanische Gestalt

Brendan Curran OP (*1970): Ein Selbstbericht

Curran, Brendan

Die Grundlagen des 250. Jahrestags der Vereinigten Staaten lassen sich auf ein lobenswertes Dokument voller Respekt und Würde zurückführen, das bis heute noch nicht vollständig verwirklicht wurde. Die USA waren nicht nur ein Land, sondern auch ein kühnes Experiment nationaler Identität und Inspiration, das in einigen Teilen der Welt als Zufluchtsort für Migranten bekannt ist: für Menschen, die seit Generationen vor Krieg, Unruhen und Naturkatastrophen fliehen. Zum hundertjährigen Jubiläum der USA gab Frankreich eines seiner berühmtesten Wahrzeichen in Auftrag: die Freiheitsstatue. Die aus Metall geformte Figur streckt ihre Hand aus, eine Fackel leuchtet, sie steht als kühnes Leuchtfeuer da, mit sieben Spitzen auf ihrer Krone als Zeichen der Begrüßung für jeden Kontinent.

Wiedergelesen

Harper Lee: Wer die Nachtigall stört

Höhn, Laurentius

In dem eindrucksvollen Film „Capote“ erscheint neben dem außergewöhnlich mit hoher Stimme sprechenden und wortbegabten Schriftsteller, der dem Biopic seinen Namen gibt, eine resolute und charmante Freundin, die ihrem Nachbarn aus Alabama u. a. bei seiner Recherche zu dem Buch „In cold blood“2, dem Roman über einen schrecklichen Mord an einer Familie und der Strafverfolgung der Täter, mit guten Ratschlägen eine wertvolle Unterstützung ist.