Zwischen Äckern und Altären | Christsein auf dem Land (1/2026)

Editorial

Eggensperger, Thomas

Die Präsenz von Kirche in den Städten ist ein aktuelles Thema und Ort lebhafter Debatten und Entwicklungen. Daneben wirkt der Diskurs über die Seelsorge auf dem Land eher nachrangig, fast schon vernachlässigt. Diese Ausgabe von „Wort und Antwort“ widmet sich dem Thema „Zwischen den Äckern und Altären. Christsein auf dem Land“.

Stichwort

Kirche und Pastoral auf dem Land – zwischen Erosion und Aufbruch

Seibold, Johannes

Es gibt sie nicht, die eine Kirche auf dem Land. Zu vielfältig sind die Prägungen, zu unterschiedlich die Personen, die vor Ort wirken. Manchmal reicht schon ein Priesterwechsel und innerhalb weniger Monate verändert sich das Gesicht einer Gemeinde grundlegend: Was vorher blühte, kann vertrocknen, was tot schien, erwacht zu neuem Leben. Pastoral auf dem Land ist deshalb kaum je eine Frage des Ortes allein, sondern der Menschen, die sich dort engagieren – haupt- wie ehrenamtlich.

„Das Kind hüpfte vor Freude in meinem Leib“ (Lk 1,44)

Lucio, José Jaime Pérez

Die Landpastoral (span: pastoral rural) stellt für die Kirche in Lateinamerika eine große Herausforderung dar, insbesondere in Gebieten, die durch geografische Zerstreutheit, kulturelle Vielfalt und die Prekarität der Grundversorgung gekennzeichnet sind. Die Begleitung ruraler indigener Gemeinden in Ocosingo im Süden Mexikos zeigt, dass der Pastoralbesuch ein fruchtbarer Ausdruck der Nähe der Kirche ist. Er ist jenseits seines administrativen oder disziplinarischen Charakters ein Ereignis der Gnade: Die Kirche selbst, in Person des Pastoralteams, ist in den Gemeinden präsent, um zuzuhören, zu ermutigen, zu korrigieren und zu trösten. Dieser Artikel möchte die Bedeutung des Pastoralbesuchs als zentrales Element der Evangelisierungs- und Befreiungsarbeit der Kirche im ruralen und indigenen Kontext Mexikos hervorheben.

Landbau in den Tropen in Zeiten der Erderhitzung

Gempp, Christoph

In der Mitte der 20er-Jahre dieses 21. Jahrhunderts erleben wir einen politischen Paradigmenwechsel. Das erste Jahrzehnt war durch eine nicht sehr ausgeprägte, aber doch zunehmende Hegemonie einer linksgrünen Politik geprägt. Zentral waren Themenbereiche wie Klima und Energie, Migration und Integration und das Recht auf Verschiedenheit in jeglicher, besonders auch sexueller Hinsicht. Rassismus und Ausgrenzung wurden aus der Perspektive eines postkolonialen Paradigmas gründlich hinterfragt.

Einladung zu einem Perspektivenwechsel: Raumorientierte Pastoral auf dem Land

Scheuchenpflug, Peter

Auf der Fahrt in den Urlaub lockt ein braunes Schild zu einem kleinen Abstecher von der Autobahn zu einem Dorf mit einem imposanten Kirchenbau. Aber nicht nur dieser ist staunenswert, sondern auch der Schaukasten, der für den anstehenden Sonntag auf gleich vier Gottesdienste verweist! Allerdings stellt sich dann bei näherer Betrachtung heraus: drei der Termine sind Fernsehgottesdienste, nur einer findet „analog“ statt, allerdings nicht vor Ort, sondern anderswo im weitläufigen Pfarrverband.

Die Bedeutung Sozialer Orte für den ländlichen Raum

Schneider, Martin

Beiträge über den ländlichen Raum beginnen meist mit einer Defizitanalyse. Der ländliche Raum, so lautet eine gängige Diagnose, stehe gesellschaftlich nicht im Blickfeld. Dies zeige sich in Prozessen der Peripherisierung, im Abbau von Infrastrukturen und in einem kulturellen Bedeutungsverlust gegenüber urbanen Zentren. Der gesellschaftliche Fokus richte sich auf die Städte – auf ihre Probleme, aber auch auf ihre Innovationskraft. Auch aus wissenschaftspolitischer Perspektive gehört die Klage über eine unzureichende institutionelle Verankerung von Land- und Regionalforschung zum Standardrepertoire. Vergleichbares gilt für die Landpastoral, die innerhalb kirchlicher Diskurse ebenfalls ein Randthema ist.

Das sozialräumliche Potential kirchlicher Immobilienprozesse in ländlichen Räumen

Tilch, Eric

Die katholische Kirche in Deutschland verfügt über eine enorme Dichte kirchlicher Gebäude, die sich durch eine besondere Vielfalt (Kirche, Pfarrheim, Pfarrhaus, Kindertagesstätte etc.) auszeichnet. Hierdurch zählt sie nicht nur zu einer der größten Immobilienbesitzer:innen der Republik, sondern prägt gerade in ländlichen Kontexten die (sozial)räumliche Infrastruktur. Wenngleich hiermit die zahlreichen Ressourcen des kirchlichen Besitzes aufscheinen, wie Sichtbarkeit, flächendeckende Präsenz und die Möglichkeit des Angebotes niedrigschwelliger Treffpunkte, führt die schiere Zahl der unterschiedlichen Gebäude zu einer enormen, vor allem finanziellen Belastung. Wo in den 1950er–70er Jahren noch zahlreiche Neubauten aus Platznot heraus errichtet wurden, sind diese Gebäude heute zu (fast) leeren Räumen verkommen, die gerade mit Blick auf Kirchengebäude der Nachkriegszeit einen enormen Sanierungsstau aufweisen. Als Konsequenz entscheiden sich die meisten Diözesen daher für die Aufgabe eines großen Teils ihres Immobilienportfolios.

Dominikanische Gestalt

Cherubine Willimann OP (1842-1914)

Jurt, M. Scholastika

Es muss für die spätere Kaiserin Augusta eine Begegnung eigener Art gewesen sein, als sie der Gründerin einer neuen Gemeinschaft, Mutter M. Cherubine Willimann, begegnet ist: Unkraut jätend im Garten. Wer war diese Frau im Habit mit Schürze? Da war so gar nichts Erhabenes, Abgeklärtes, Mystisches. Da war Einfachheit anwesend, Bescheidenheit, etwas Zupackendes. Cherubine Willimann vertraute tief der Vorsehung Gottes, und gleichzeitig verkörperte sie eine kluge, abwägende Geschäftsfrau, die den Spannungen der Anfänge standhielt und dem Arenberger Dominikanerinnen in den ersten Jahren ihre Prägung gab.

Wiedergelesen

Saša Staniši? „Vor dem Fest“ (2014)

Rupp, Michael | Rupp, Sonja

Der u. a. 2014 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnete Roman „Vor dem Fest“ des deutsch-bosnischen Schriftstellers Saša Staniši? (Jg. 1978) erzählt von der Nacht vor dem großen Fest in einem fiktiven Dorf in der Uckermark, in der die Geschichten der Menschen des Dorfs aufscheinen und, mit ihnen verwoben, auch dessen Mythen und Sagen, mithin also die identitätsstiftenden Erzählungen, die für die abgelegene wie auch abgehängte Gemeinde wichtig geworden sind. Sie bieten Orientierung und Struktur für das Leben, wie Staniši? es in wundervollem Oszillieren zwischen Humor und durchscheinendem Ernst immer wieder vorführt.