... der Gott in uns fand (4/2025)
Stichwort
Gentgen, Maximilian
„Wisset, wäre ich nicht Priester und lebte nicht in einem Orden, ich hielte es für ein großes Ding, Schuhe machen zu können, und ich wollte es besser machen als alles andere und wollte gerne mein Brot mit meinen Händen verdienen.“
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Leppin, Volker
Das Evangelische Gesangbuch führt als Lied Nummer 8 „Es kommt ein Schiff geladen“ – in guter ökumenischer Gemeinsamkeit mit dem aktuellen Gotteslob, in dem sich das Lied unter Nr. 236 findet. Die heutige Herkunftsangabe im Gesangbuch gibt an, dass das Lied von „Daniel Sudermann um 1626 nach einem Marienlied aus Straßburg um 1450“ gedichtet wurde. Darin haben sich relativ neue Erkenntnisse niedergeschlagen. Daniel Sudermann (1550 – nach 1630) selbst, ein Wanderer zwischen den Konfessionen, hatte das Lied auf Johannes Tauler zurückgeführt, mit dem er sich auf seinem religiösen Erkenntnisweg viel beschäftigte: „Ein vraltes Gesang / so vnter deß Herren Tauleri Schrifften funden / etwas verständlicher gemacht,“ notierte er, als er es in einer Liedersammlung publizierte. Tatsächlich aber hat Sudermann das Lied, wie ein handschriftlicher Vermerk belegt, aus einem Sammelmanuskript übernommen, das Mitte des 15. Jahrhunderts im Dominikanerinnenkloster Nikolaus in undis in Straßburg entstanden ist.
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Klose, Rafael M.
Unter den großen religiösen Umwälzungen des postsäkularen Westens sticht eine besonders hervor: Die Transformation von einer kollektiven Religiosität der Volkskirche hin zu einer individualistischen Spiritualität des freidenkenden Subjekts. Im Zuge dieser Umwandlung hat eine alte Form der kirchlichen Seelsorge neuen Zulauf erfahren: Seit Jahrzehnten erfreut sich die geistliche Begleitung – freilich in ausgewählten Kreisen – anhaltender Beliebtheit. Für die (post)modernen Gläubigen schaffen die intimen Einzelgespräche mit einer Begleitperson einen Raum, um ihre persönlichen Glaubensbiographien und die individuellen Gottesfragen zu ergründen.ied Nummer 8 „Es kommt ein Schiff geladen“ – in guter ökumenischer Gemeinsamkeit mit dem aktuellen Gotteslob, in dem sich das Lied unter Nr. 236 findet. Die heutige Herkunftsangabe im Gesangbuch gibt an, dass das Lied von „Daniel Sudermann um 1626 nach einem Marienlied aus Straßburg um 1450“ gedichtet wurde. Darin haben sich relativ neue Erkenntnisse niedergeschlagen. Daniel Sudermann (1550 – nach 1630) selbst, ein Wanderer zwischen den Konfessionen, hatte das Lied auf Johannes Tauler zurückgeführt, mit dem er sich auf seinem religiösen Erkenntnisweg viel beschäftigte: „Ein vraltes Gesang / so vnter deß Herren Tauleri Schrifften funden / etwas verständlicher gemacht,“ notierte er, als er es in einer Liedersammlung publizierte. Tatsächlich aber hat Sudermann das Lied, wie ein handschriftlicher Vermerk belegt, aus einem Sammelmanuskript übernommen, das Mitte des 15. Jahrhunderts im Dominikanerinnenkloster Nikolaus in undis in Straßburg entstanden ist.
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Zekorn, Stefan
Johannes Tauler ist ein guter Theologe und Schüler Meister Eckharts, aber im Unterschied zu seinem Lehrer interessieren Tauler theoretische Konstruktionen und intellektuelle Höhenflüge wenig. Er bezeichnet sich selbst als „Lebemeister“, also als ein Lehrer für das Leben. Tauler möchte zum Leben helfen und konkrete Lebenshilfe geben. Er möchte zum Leben führen, das seiner Überzeugung und Erfahrung nach nur ein Leben mit Gott sein kann, der Ursprung und Ziel allen Lebens ist.
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Ilnicka, Jana
Johannes Tauler gilt als einer der wichtigsten Vertreter des „mystischen Dreigestirns“ der rheinischen Mystik und als einer der beiden bedeutendsten „Schüler“ Meister Eckharts. Die Gründe, diese drei Dominikaner in eine besonders enge Gruppe zu stellen, sind naheliegend, denn unabhängig von den (historisch schwer genau feststellbaren) persönlichen Beziehungen zwischen ihnen ist die intellektuelle Nachfolgerschaft indiskutabel: fast alle wichtigen Begriffe ihrer Texte (grunt, gelassenheit, abgeschiedenheit, entbildung usw.) gehen direkt auf Eckhart zurück. Dennoch gibt es auch wesentliche Abweichungen in der Bedeutung dieser Begriffe. Angesichts der Zeit, in der die Schüler tätig waren – nach Eckharts Anklage, Tod und und der Einstufung seiner Thesen als häretisch – erscheint es plausibel anzunehmen, dass die Schüler versucht haben, diese Probleme zu umgehen. Neuere Forschungen deuten jedoch darauf hin, dass diese Entwicklungen nicht auf politische oder kirchliche Einflüsse wie die Rückkehr zu Thomas von Aquin, sondern eher auf eine eigenständige konzeptuelle Weiterentwicklung von Eckharts Lehre durch seine Nachfolger zurückzuführen sind.
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Engel, Ulrich
Wilhelm Rath, Verfasser einer 1930 publizierten Vita über den „Gottesfreund vom Oberland“, deutet die Zeit des Johannes Tauler OP (um 1300 – 1361) als epochalen Paradigmenwechsel. Als Vergleichsperiode dient ihm die „Blüte der mittelalterlichen Kultur“ im 13. Jahrhundert. Wo früher noch ein allgemein geteiltes „Vertrauen auf göttliche Führung“ (12) vorgeherrscht habe, das nicht zuletzt in der Neugründung der „von Frömmigkeit und Schaffensfreude erfüllten“ (13) Mendikantenorden geschichtlich Gestalt angenommen habe, da sei dieses geistig-geistliche Zutrauen ab „der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts“ – so datiert Friedrich-Wilhelm Wentzlaff-Eggebert – in seinen „Grundfesten erschüttert“ (13) worden.
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Dominikanische Gestalt
Höhle, Michael
In einer Predigt zum Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel führt Johannes Tauler aus: „Willst du ohne Unterlass stets empfänglich sein für all das, was Gott seinen auserwählten Freunden geben kann oder will und in ihnen wirken, an Sein und Leben? Willst du, dass er dich mit seinen Gaben überströme? Dann befleißige dich vor allen Dingen (zu begreifen), dass du in deinem Grunde in Wahrheit nichts seiest. Denn unsere Selbstsucht und unser Mangel an Entsagung hindern Gott, sein edles Werk in uns zu vollbringen.“
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Wiedergelesen
Bunnenberg, Johannes
Ein alter Text, der auf das 14. Jahrhundert in Straßburg zurückgeht, mit einer Melodie, die erstmals belegt ist im Andernacher Gesangbuch von 1608.1 Ich lese das Lied wieder im 21. Jahrhundert in einer anderen Stadt am Rhein. Dies ist eine mögliche Spur für das Verständnis: Vorüberfahrende Schiffe erlebe ich öfter am Rheinufer in Mainz. Meistens sind es Frachter, die Waren transportieren, manchmal Personenfahrtschiffe. Bei einigen Frachtern ist offensichtlich, was sie geladen haben, bei anderen bleibt es geheimnisvoll im Rumpf verborgen. Das Betrachten der Schiffe macht mir Freude, wahrscheinlich weil von ihnen Lebendigkeit ausgeht, weil sie klar auf ein Ziel zusteuern, weil sie weit entfernte Orte miteinander verbinden.
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