Wer wagt, gewinnt! | Über Mut
(2/2026)
Stichwort
Bergmann, Christoph J.
In gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Diskursen wird der Begriff des Mutes zunehmend als normative Kategorie verwendet. So betonte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Weihnachtsansprache am 25.12.2025, es bedürfe des Mutes, „immer wieder neu anzufangen. Für die großen Dinge, die wir uns als Gesellschaft vornehmen – und für die kleinen Dinge, bei denen jede und jeder von uns sein Bestes gibt – für ein gutes Zusammenleben von uns allen.“1 Mut erscheint hier nicht als heroische Ausnahmeleistung individuellen Handelns, sondern als gesellschaftlich relevante Kraft, die gemeinwohlorientierte Handlungsfähigkeit angesichts von Widrigkeiten ermöglicht.
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Kraus, Isabel Marie
Angst gehört zum Leben des Paulus. Sie ist „seine ständige Begleiterin“1, stellt aber auch eine Erfahrung dar, die die Lebenswirklichkeit aller Menschen grundlegend prägt. Eine solche existenzielle Erfahrung auszublenden oder durch die Vertröstung auf eine zukünftige Heilserfahrung zu relativieren, hieße, eine wesentliche Facette des Menschseins zu verneinen.
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Eggensperger, Thomas
Hannah Arendt (1906–1975) hat sich in ihrem Oeuvre immer wieder mit dem Mut (nicht zuletzt auch im Sinne von Zivilcourage) auseinandergesetzt, wenngleich es nicht zu einer systematischen Studie zum Thema gekommen ist. Biographisch aber hat sie durchaus Mut bewiesen. Dies betrifft nicht nur ihr Leben und Wirken, sondern auch durch authentische wissenschaftliche Analysen, mit deren Wahrhaftigkeit sie in der Veröffentlichung durchaus Mut bewiesen hat, indem sie sich der kritischen Öffentlichkeit gestellt hat. Der Beitrag möchte dies paradigmatisch aufzeigen und das Phänomen der „parrhesia“ (Wahrhaftigkeit) in ihrem Denken skizzieren. Parrhesia steht bei Arendt nicht nur für eine existenzielle Haltung, sondern auch für eine politische Tugend.
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Höllinger, Stephanie
Sittliches Nachdenken vollzieht sich immer schon im Horizont menschlicher Erfahrungen. Davon ist die ethische Beschäftigung mit den Tugenden nicht ausgenommen. Obwohl wir Tugenden als Haltungen begreifen, die unabhängig von Status, Herkunft wie Geschlecht normative Geltung beanspruchen, gewinnen sie ihre konkrete Ausdeutung stets innerhalb spezifischer historischer, kultureller und religiöser Kontexte, ja ist ihre Bestimmung zuweilen in kontingente Lebenswelten und damit verbundene Annahmen und Erwartungen verstrickt. Diese Annahmen betreffen auch das Geschlecht. Idealtypische Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit können (bis heute) als Maßstäbe dafür fungieren, welche charakterlichen ‚Vorzüge‘ wir wem zuschreiben bzw. – präziser – welche Haltungen wir üblicherweise mit Männern oder Frauen assoziieren und unter welchem Gesichtspunkt uns deren Handlungen als moralisch angemessen erscheinen.
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Naumann, Gregor
Gleichgültigkeit, Polarisierung, ein schwindender gesellschaftlicher Zusammenhalt sind Stichworte, mit denen oft der Zustand der deutschen Gesellschaft beschrieben wird. Diese Wahrnehmung macht auch vor jungen Menschen, Schülerinnen und Schülern, nicht halt und prägt ihr Gefühl. Themen, die bei ihnen im besonderen Fokus stehen, sind nach der Sinus-Jugendstudie „Klimawandel, Ausgrenzung/Rassismus/Diskriminierung, Inflation sowie Krieg“. In der Studie wird festgestellt, dass „nicht wenige Jugendliche mit der Welt der Politik fremdeln“ und viele jüngere Menschen den politischen Kontext von gesellschaftlichen Problemstellungen nicht erkennen und dass ihnen die Fähigkeit zur Generalisierung fehle.Dennoch habe sich in großen Teilen der jungen Generation „die Bereitschaft zum politischen Engagement“ nach der politischen Sensibilisierung durch „Fridays for Future“ verstetigt.
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Eltz, Johannes Graf zu
„Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ Das Wort, dass dem französischen Romancier Victor Hugo zugeschrieben wird, kann ich als Motto über meine Erfahrungen mit gelungenen und gescheiterten Unternehmungen in der Kirche setzen. Die Zeichen der Zeit sind es, die mutigen Aufbrüchen den Weg zum Erfolg weisen oder ihn versperren. Dass ihnen solche Bedeutung beigemessen wird, mag den Frommen irritieren, weil in diesem Begriff kein ausdrücklicher Bezug auf den Glauben genommen wird. Ist nicht an Gottes Segen alles gelegen? Hängt nicht der Erfolg, zumal in der Kirche, davon ab, dass Gottes Wille geschieht, welchen wir erkennen und befördern müssen? Sind nicht das Bescheidwissen in der Welt und das Vertrauen auf die eigene Urteilskraft Ruhmesblätter für solche, „die nach dem Fleisch leben“ (Röm 8,4)?
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Dominikanische Gestalt
Prcela, Frano
Viele von uns waren der Meinung, er habe über seine Gefängniserfahrungen jahrzehntelang nur geschwiegen. Das stimmt nicht ganz. Er hat wohl nur das Nicht-Darüber-Sprechen-Wollen praktiziert. Ihm war es nämlich ausdrücklich verboten öffentlich darüber zu sprechen. Hätte er es getan, wäre es für ihn zu weiteren schlimmen Konsequenzen gekommen. Wir, Dominikaner, wie auch viele seiner Freunde, haben immer wieder neue Versuche gestartet, ihm wenigstens ein paar Worte zu entlocken über seine Erfahrungen mit dem Repressionsapparat des kommunistischen Regimes in Jugoslawien. Es sind jedoch zumeist vergebliche Versuche geblieben. Er hat es gewöhnlich mit einem Handwink abgetan. Auch in kleinsten Kreisen mied er es, seine jahrelangen Freiheitsberaubungen zum Thema zu machen. Selbst nach der demokratischen Wende in Kroatien, Anfang der 1990er-Jahre, als es für ihn keine Gefahr mehr darstellte, blieb er fast stoisch still. Seine Stille aber war kein Schweigen.
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Wiedergelesen
Hacker, Simon
„Lord, increase our faith!“ – Herr, stärke unseren Glauben (Lk 17,5)! Mit diesem eindringlichen Gebet wandte sich Bruno Cadoré OP, Ordensmeister der Dominikaner, an die Jesuiten, die am 2. Oktober 2016 zur Generalkongregation zusammentraten. Ihr Generaloberer Adolfo Nicolás SJ war, obwohl auf Lebenszeit zum Oberen der Gesellschaft Jesu gewählt, aus Altersgründen zurückgetreten, nachdem er das 80. Lebensjahr erreicht hatte. So war es Aufgabe der Versammlung, den 30. Nachfolger des Ignatius von Loyola zu wählen – und zu dieser Gelegenheit die Zeichen der Zeit zu befragen, die das Leben und Handeln der Jesuiten bestimmen sollten.
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